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31.05.2006
Die Wahrheit über POPSTARS

Chanel M. war in Frankfurt beim Casting für die neue Popstars-Staffel live dabei. Was sie erlebte, war ganz und gar nicht identisch mit den Medienmeldungen.

Wie viele andere Mädchen auch, hat sich Chanel M. auf den Weg zum 1. Casting für die neue Staffel von POPSTARS nach Frankfurt gemacht. Als sie am nächsten Tag die offizielle Pressemeldung von ProSieben mit dem Titel "Frankfurt singt! 1031 bei POPSTARS-Casting" auf unserer Webseite sah, konnte sie ihren Augen kaum trauen - und hat sich an uns gewandt. Genauso wie wir Unternehmen die Möglichkeit geben über News aus der Casting-Branche zu berichten, möchten wir natürlich auch den Erfahrungsbericht von Chanel keinem vorenthalten.


Die Wahrheit über POPSTARS - ein Erfahrungsbericht von Chanel M.
27. Mai 2006 - einige junge Mädchen ab dem Alter von 16 Jahren stehen zu früher Stunde auf, um sich für das Casting von Pro Sieben „Popstars – Neue Engel brauch das Land“ vorzubereiten. Einige nehmen lange Strecken auf sich, um dabei zu sein und der Jury (Musikproduzenten Dieter Falk, Nina Hagen und Choreographen Detlef D! Soost) ihr Können zu zeigen.

Ab 8 Uhr versammelten sich die ersten Teilnehmerinnen vor dem Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt mit ihren Freunden, Bekannten und Familienmitglieder als tatkräftige Unterstützung. Nichts hat den Anschein, dass irgendetwas anders verlaufen würde, als man es bisher bei den ersten Popstarstaffeln zu Gesicht bekommen hatte.

9 Uhr: Nach dem aufgestellten Plan von Pro Sieben zufolge, sei dies der Beginn des Castings. Promoter kamen nach Draußen. Sie waren zuvor in dem Gebäude herum gehetzt und hatten die letzten Vorbereitungen getroffen.

Zuerst wurden zwei Tische aufgestellt. Hinter diesen standen vier „Crew-Mitglieder“ – so konnte man es jedenfalls auf den von ihnen getragenen, schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „Crew“ entnehmen. Alle Mädchen sollten sich dort versammeln und sich anmelden. Ein wildes Gedränge herrschte. Die Bewerberinnen traten sich gegenseitig mit ihren Pfennigabsätzen auf die Füße. Wenn man dann endlich mal an dem Tisch angelangt war, musste man seinen Bewerbungsbogen abgeben und dieser wurde geprüft auf Richtigkeit, Altersvoraussetzung (16 Jahre) und die Unterschrift der Erziehungsberechtigten, falls man das 18 Lebensjahr noch nicht erreicht hatte. Dann bekam man eine Nummer und musste diese auf das Oberteil kleben, aber so, wie man es dann später im TV auch sehen würde. Mit einem Lächeln auf den Lippen wurde ein Bild von einem geschossen. Blitze erstrahlten von allen Seiten, die Kamera filmte das Gedränge.

Zu den Nummern muss man dazu sagen, dass diese erst ab 1000 anfingen und keineswegs ab 0, wie viele wohl bisher dachten. Im Internet veröffentlichte Pro Sieben zudem, dass 1031 Nachwuchssängerinnen anwesend waren. Selbst wenn man die ganzen Begleitpersonen dazu gerechnet hätte, wäre es unmöglich gewesen auf 1031 Bewerber zu kommen. Es waren nur 200 bis 300 Sängerinnen anwesend, welche verzweifelt, mit einem Kribbeln im Bauch auf ihren ersehnten Auftritt warteten.

Die ersten „Auftritte“ konnten erst nach einer ganzen Weile stattfinden. Denn zuvor wurden die süßen Girls von den Promotern und Produzenten 2 Stunden lang herum gescheucht. Die Mädchen ab der Nummer 1000 bis 1200 sollten zuerst sich in vierer Reihen aufstellen und anschließend 13 unnötige Schritte nach vorne gehen. Danach mussten sie sich umdrehen und auf den Fahrradweg, der direkt am Konservatorium vorbeiführt, hinzwängen. Und wehe es stand einer zu weit vom Fahrradweg weg. Das war der Alptraum und sofort machte der Produzent ein Drama daraus. Die restlichen Bewerberinnen reihten sich auch hinten auf und die Begleitpersonen wurden dazu gestellt, damit es nach mehr Leuten aussieht. Die Kamera überflog mehrmals die Menge. Die Kameramänner rannten von dem Anfang der Menschenmenge bis zum Ende und wieder zurück. Die lieben „dummen“ Mädchen sollten zeigen wie viel Spaß sie haben und die ganze Zeit schön lachen. Dauernd wurde wiederholt, wie die Leute „POPSTARS“ schreien und immer wieder mussten die Hände dazu in die Luft gestreckt werden. Schon nach ein paar Minuten hatte niemand mehr Lust darauf. Doch das Fernsehen möchte tolle Aufnahmen und deshalb wurde insgesamt 2 Stunden, wie schon oben erwähnt „POPSTARS“ geschrieen, Hände nach oben gestreckt und zum Schluss natürlich die bekannte La-o-la-Welle gemacht, und dies selbstverständlich auch nicht selten.

Nach dem ersten Teil des nervigen Filmdrehens und Foto knipsen durften um 11 Uhr die ersten 50 Mädchen in das Dr. Hochs Konservatorium. Die Begleitpersonen waren nicht befugt das Gebäude zu betreten und die anderen Teilnehmerinnen, welche später dran kamen auch nicht.

Securitys bewachten das Gebäude und die Polizei machte mehrmals ihre Runde an diesem Tag, damit alles friedlich vonstatten geht. Bevor jemand den Vorraum betrat wurde von einem Promoter gesagt: „ Sobald du die Tür betrittst flippst du aus, schreist Popstars, tust die Hände nach oben und dann klatschen.“ Noch bevor ich den Raum betrat hatte ich absolut keine Lust mehr auf meinen kleinen Auftritt (und um in die nächste Runde zu kommen). Und mir war sofort klar, dass alles nur eine billige Nummer ist.

Wir mussten alle in den vorgesehenen Warteraum marschieren und dort angekommen wusste niemand was wir nun hier sollten. Wir schenkten uns Getränke ein an den kleinen Bartischen und einige sangen noch einmal „ihr“ Lied. Nach ca. einer viertel Stunde hieß es, dass alle einer Frau folgen sollten. Das taten wir. (Im Fernsehen wird nicht gebracht durch wie viele Räume wir laufen mussten.) Wir liefen sogar an Bauarbeiten vorbei, bis wir schließlich vor dem Zimmer waren in dem wir unseren Auftritt haben sollten. Auf einem kleinen Schild an der Tür stand „Studienzimmer xxx“ und ich dachte mir nur, was kommt nun?

In dem Zimmer saß ein Mann Mitte 40. „Den Mann habe ich noch nie im TV gesehen“, kam es mir im ersten Moment in den Kopf. Ist klar, dass nicht alle Beschäftigten im TV sein können, aber wir mussten vor diesem Mann singen, von dem wir nicht einmal wussten, ob er überhaupt eine Ahnung von guter Musik hat. Er saß an einem Schreibtisch, wie man ihn vom Schulleben kennt und unter ihm war ein kleiner abgefetzter blauer Teppich. In 5er Gruppen mussten die Teilnehmerinnen auftreten und gaben ihr bestes. Es wurden in drei verschiedenen Farben, einmal auf den Bewerbungsbogen und einmal auf den Unterarm eines Mädchens mit einem Stempel, mit der Aufschrift „Popstars“, gedruckt. Er sagte zu uns: „Die Stempel brauchen euch nicht zu kümmern. Die haben nichts damit zu tun wie gut ihr seit oder wer weiter kommt, sondern es handelt sich einfach um was Organisatorisches.“

Das war eine schöne Lüge: Um 12.30Uhr wurde bekannt gegeben, dass alle mit einem schwarzen und roten Stempel weiter sind und alle grünen draußen. Die Methode, welche Bewerberinnen sie weiternehmen, war vielen glasklar: Alle Girls, wo auffielen oder toll sangen kamen weiter. Alle Girls die richtig schlimm sangen kamen auch vor die Jury. Denn im Fernsehen muss man schließlich beide Seiten sehen, die Guten und die Schlechten. Durchschnittstypen waren unbrauchbar und zu langweilig (Farbe grün). Alle Mädchen mit einem roten und schwarzen Stempel mussten vor der „richtigen“ Jury singen. (Musikproduzenten Dieter Falk, Detlef Dee! Soost und Nina Hagen.)

Zwischen 12 und 13 Uhr kam die Jury (Musikproduzenten Dieter Falk, Detlef Dee! Soost und Nina Hagen). Es wurde ein roter Teppich für die drei ausgebreitet mit einer Länge von vier Metern (wahrscheinlich wird im TV ein rießen Teppich gezeigt) und sie mussten die Stufen einer Treppe herab rennen. Die Bewerberinnen mussten sich rund um die Treppe aufstellen und schreien, jubeln, freuen und klatschen, sobald ein „Star“ herunter kam. Auf der Mitte der Treppe blieben alle drei einzeln kurz stehen, winkten, schrieen Sachen in die Menge und liefen die letzten Stufen bis zur kleinen Bühne herab. Einige Mädchen um mich herum erzählten sich gegenseitig, dass sie endlich auftreten und nicht länger warten wollen. Sie waren sichtlich nervös und angespannt. Doch diese mussten sich noch gedulden. Auf der Bühne erzählte Dee! Soost, dass Popstars keine perfekten Superstars sondern einfach talentierte junge Mädchen sucht für eine Girlsband. Die Nachfolger der No Angels. Aber warum wurden dann auch total untalentierte zur „richtigen“ Jury durchgelassen und nicht zuvor ausgefiltert?

Die nächsten 50 Mädchen kamen kurz vor 13 Uhr dran. Als ich mittags meine Freundin abholen wollte, war sie nirgends draußen sichtbar und somit wollte ich ins Konservatorium, um sie zu suchen. Der liebe Security-Dienst hielt mich zurück: „Wo ist dein Stempel?“ Ich zeigte ihm den Popstars-Stempel. „Du darfst nicht mehr rein!“ „Warum?“, fragte ich verdutzt. „Du darfst hier nicht mit diesem Stempel rein.“ Ich erklärte ihm, dass meine Freundin sich irgendwo in dem großen Konservatorium befinden und ich sie holen müsse. Daraufhin drohte er mir: „Du bist in einer Minute und 30 Sekunden wieder hier auf dieser Stelle oder ich hole dich eigenhändig wieder raus!“ Ich fand das sehr übertrieben, da ich nicht glaube wie eine Unruhestifterin auszusehen, aber machte mich auf der Suche nach ihr. Ich sah sie auf einem Stuhl sitzen, nahm ihre Hand und zog sie aus dem Gebäude. Dann fragte ich sie wie es bei ihr lief und sie druckste erst ein wenig herum. Nach einer Weile gab sie zu, immer noch nicht fertig zu sein und noch einmal vor der „richtigen“ Jury singen zu müssen. Um 17.30 Uhr war das ganze Theater dann endlich vorbei. Vor laufender Kamera sagte ein Mitglied der Jury, dass meine Freundin total scheiße singt. Meines Erachtens hat schließlich das liebe Fernsehen für August gutes Filmmaterial. (Im August wird Popstars ausgestrahlt.) Denn wenn man nach der Meinung der Produzenten geht, müsste sie wenn sie schlecht singen könnte zuvor ausgefiltert worden seien. Das erinnert ein wenig an die Redewendung „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“

Es ist ersichtlich, dass nicht alles was wir im Fernsehen sehen, stimmen kann und anders ist. Aber dennoch hat das Fernsehen bzw. irgendein Sender nicht das Recht dazu, Mädchen, Zuschauer usw. so hinterhältig auszunutzen. Denn damit man jemand ausnutzt, hat niemand ein Recht dazu. Ich habe diesen Bericht 100%-ig nicht geschrieben, weil ich in irgendeiner Weise gekränkt wurde von der Jury oder nicht weiter gekommen bin. Nein, definitiv nicht! Ich habe dies hier verfasst, um aufzuzeigen, dass nicht alles, so wie es im TV erscheint rosig und toll ist und dass man bei der Wahrheit bleiben sollte!

Was würde es denn den Zuschauern ausmachen, wenn nur wenige Bewerberinnen dort waren? Oder wenn gezeigt wird, dass die Jury nur eine ganz normale Treppe entlang läuft oder alle in kleinen Grüppchen vor dem Konservatorium stehen, anstatt zusammengepfercht an der Hauswand und ganz zufällig Popstars schreien? Ich nehme stark an, es würde keinem etwas ausmachen. Wahrscheinlich würden dann auch mehr Leute das Glauben können, was im Fernsehen ausgestrahlt wird. Die „Stars“ würden endlich allen als normale Menschen gezeigt werden. Mit ihren Charakterzügen, Gesten und Macken. Vor allem junge Mädchen würden nicht übertrieben ihren Idolen nacheifern und vieles verrücktes aber auch manch gefährliches nachmachen oder für das Idol-Aussehen einige mit sich bringenden Gefahren auf sich nehmen (Magersucht, Bulimie).

Das Fernsehen muss nicht perfekt sein! Niemand ist perfekt und damit dies die Menschen endgültig verstehen können, sollte das Fernsehen auch dazu beitragen und keine falschen Tatsachen vorspielen. Zum Glück gibt es Leute die sich trauen und trotz vermutlicher Gegenkritik den Mund aufmachen!


> Frankfurt singt! 1031 bei POPSTARS - Casting [28.05.06]

> Dieter Falk, Nina Hagen und Detlef D! Soost: POPSTARS-Jury komplett! [23.05.06]

> POPSTARS: ProSieben sucht die neuen Engel! [11.05.06]

> Fünfte Staffel von POPSTARS. Casting-Start im Mai! [07.05.06]

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